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Verschiedene Texte verlangen verschiedene Lesehaltungen. Es ist ein Unterschied, ob ich z.B. die Zeitung, einen Roman, einen persönlichen Brief oder eine Gebrauchsanweisung lese. Mal bin ich darauf aus, möglichst rasch viele Informationen aufzunehmen, mal möchte ich meine Phantasie anregen und mich in eine andere Welt entführen lassen. In manchen Fällen kann ich innerlich distanziert und ohne alle Emotionen lesen, an anderen werden meine Gefühle und meine Assoziationen direkt angesprochen. 

Beim Bibellesen helfen folgende Grundsätze:


Die Bibel lesen heißt: Entdecken

Die Bibel ist das große Buch vom Glauben. In ihr berichten Menschen aus über zwei Jahrtausenden über ihre Erfahrungen mit Gott. Nicht in allem, was dabei zur Sprache kommt, können wir uns heute noch wiederfinden. Religiöse Praktiken wie das Opferwesen oder Dämonenaustreibungen sind uns fremd geworden, manche Vorstellung, z.B. das antike Weltbild, das hinter den Schöpfungsberichten am Anfang der Bibel steht, sind überholt. Es gilt also zu entdecken, wo die Botschaft der Bibel mich und mein Leben heute trifft.

Die Kernfragen des Glaubens sind heute wie damals dieselben: Worauf kann ich mich wirklich verlassen? Was gibt meinem Leben Sinn und Halt? Die Bibel gibt Antwort auf diese Fragen nicht in Form einer Sachinformation, sondern in Form einer Einladung – als Einladung, das eigene Leben im Vertrauen auf Gott zu leben und sich in allen Dingen auf ihn zu verlassen. Nur wer diese Einladung annimmt, kann auch die befreiende und lebensprägende Wirkung der biblischen Botschaft entdecken.

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Die Bibel lesen heißt: Nachdenken und neu denken

»Die Bibel enthält lauter alte Geschichten, die jeden Tag neu geschehen.« (Ricarda Huch)

 

Die Bibel ist einerseits voller Geschichten und Worte aus Zeiten, die längst Geschichte sind. Manche Orte und Plätze, viele Lebensweisen und Bräuche, wie sie die Menschen damals hatten, sind längst Vergangenheit. Andererseits stehen in den alten Geschichten aber ganz aktuelle Wahrheiten.

Ein Beispiel: Die Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lukas 10,29-37) ereignet sich heute nicht mehr so wie damals zwischen Jerusalem und Jericho. Priester, Leviten, Räuber und ein Reisender, unterwegs auf einem Esel, bestimmen nicht mehr die Szenen unserer Städte. Dass Juden und Samariter sich damals Feind waren, spielt heute keine Rolle mehr. Aber jeden Tag neu stellt sich mir die Herausforderung: Für wen nehme ich mir Zeit? Wie viel zählt der Mensch in seiner Not für mich? Wo werden heute Menschen ausgebeutet, links liegen gelassen? Wo passieren Überraschungen, geschieht Nächstenliebe von Menschen, denen das gar nicht zugetraut wurde? Die Bibel lädt dazu ein, den alten Geschichten nachzudenken und sie für die Zeit heute neu zu denken, für die Welt und Situation, in der ich lebe.

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Die Bibel lesen heißt: Unterscheiden

Die Bibel ist kein Buch aus einem Guss. Ganz unterschiedliche Arten von Texten finden sich in ihr: Erzählungen, Namenslisten, Sprichwörter, Gebete, Gedichte, Parabeln, Berichte, Briefe und vieles mehr. Jeder Künstler und Handwerker weiß, dass er für unterschiedliche Materialien unterschiedliche Werkzeuge braucht. Bei den Texten ist es nicht anders. Es kommt darauf an, zum jeweiligen Text den passenden Zugang zu finden.

Der zweite Teil der Apostelgeschichte, der die Missionsreisen des Paulus schildert, ist in der Art seiner Darstellung durchaus einem Bericht ähnlich. Er berichtet chronologisch die Ereignisse. Ganz anders ist z.B. das Hohelied. Nicht die Mitteilung von Informationen, sondern die lyrische Form zeichnen diesen Text aus.

 

Es hilft also, beim Lesen die Frage mitzudenken: Welche Textart habe ich vor mir? Welches Instrument brauche ich, um sie zu erschließen? Geht es diesmal mehr um Informationen oder mehr um Bilder, die in mir anklingen, nachklingen wollen? Muss ich mehr mit dem Markierstift arbeiten oder mehr mit dem inneren Auge?

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Die Bibel lesen heißt: Verweilen

Die Bibel will mich ansprechen, in meinen Alltag hineinsprechen. Die Worte wollen etwas auslösen, mich verwandeln. Sie wollen zu Bildern werden, in der eigenen Vorstellung erstehen und Kraft vermitteln. Das Wort »Quelle« z.B. bedeutet nicht nur einen Ort der natürlichen Wasserproduktion. Es ist ein Bild, ein Symbol für Leben, Erfrischung, unerschöpfliche Energie, das in mir nachklingen will.

Die Bibel ist ein großes Bilderbuch. Von Gott wird oft in Bildern gesprochen. Gott wird z.B. Quelle, Fels, Hirt genannt. Damit kommt zum Ausdruck: Gott ist unerschöpflich wie eine Quelle, zuverlässig wie ein Fels, auf dem ich sicher stehe, umsichtig und fürsorgend wie ein Hirte. Wo ich mich auf diese Bilder einlasse und es einübe, bei ihnen zu verweilen, verspüre ich mit der Zeit ihre Kraft.

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Die Bibel lesen heißt: Die richtigen Fragen stellen

Martin Luther sprach von einem »vierfachen Kränzlein« von Fragen, mit denen man die Bibel lesen sollte:

Was steht geschrieben? Wofür habe ich zu danken? Wo soll ich umkehren? Worum darf ich bitten?

Eine fünfte Frage lässt sich noch dazunehmen: Was soll ich tun?

Weitere Möglichkeiten zur Erschließung eines Bibeltextes entwickeln sich anhand von Stichworten und Fragen:

An folgenden Stichworten und Fragen entlanggehen

 

Wahrnehmen: Was lese ich? Was verstehe ich? Was lasse ich stehen, weil ich es im Augenblick nicht verstehe?

Annehmen: Was ist von Gott aus geschehen? Womit beschenkt er mich? Was ist über den Glauben ausgesagt?

Aufnehmen: Was sagt dieser Text mir persönlich?

 

Oder einfach: Was fällt mir auf, was fällt mir ein?

 

Gegensätze von damals und heute anschauen: Was steht im Text – wo stehe ich?

Übereinstimmungen suchen: Wo stimme ich zu? Wo geht es mir ganz ähnlich?

Reibungspunkte aufspüren: Was macht mir zu schaffen? Wo fühle ich mich in Frage gestellt?

Ideen, Assoziationen zulassen: Was sehe ich an Bildern, wenn ich die Augen schließe? Bei diesem Satz denke ich an ... (z.B. Menschen, die ich anrufen, besuchen, für die ich beten kann).

 

Ein besonderer Zugang: Bilder erschließen

 

Zum Beispiel bei Psalm 36,10: »Du selbst bist die Quelle, die uns Leben schenkt. Deine Liebe ist die Sonne, von der wir leben.« – Was für Gefühle, Stimmungen, Erfahrungen wecken Quelle und Sonne in mir? Wo tun sie mir gut?

Die Ich-bin-Worte Jesu eignen sich besonders gut für das Meditieren und Erschließen der Bilder.

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